Hartz IV? Yes I can!

Hartz IV – selten war ein Begriff so sehr ein Politikum wie jetzt 2018 (wieder) nach der langen Phase der Regierungsbildung der neuen großen Koalition. Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn ist da Feder-/Medienführend der Auslöser. Der Stern schrieb bereits am 29.August 2017  in Mission Kanzler mit (Zitat): „Jung, schwul, konservativ. Jens Spahn geht seiner Parteichefin Angela Merkel schwer auf die Nerven. Auf seinem Weg nach ganz oben muss das kein Nachteil werden. Porträt eines Angriffslustigen.“

Und angriffslustig ist er! Keine Frage – doch Jens Spahn stellt gerade (fast) alles wieder mal in Frage. Gut so! Doch was das Thema Hartz IV angeht schließe ich mich dem Zwischenruf aus dem Tagesspiel vom 15. April von Ursula Weidenfeld an: Über den Mythos früher war alles viel besser! Das ist nicht so wie ich in meinen Cliffhangern zur Ankündigung des Blogbeitrags gezeigt habe u.a. mit dem Artikel aus FAZ.net in meinen Tweeds auf Twitter und XING. Rainer Hank zeigt und belegt seine Forderung Hartz IV – Beendet die Debatte mit der Hauptfolgerung seiner Analyse „Dass Deutschland heute fast schon Vollbeschäftigung hat, hat viele Ursachen: Die Hartz-Reformen gehören dazu. Wer daran jetzt herumfingert, schafft Arbeitslosigkeit.“

Begriffsklärung ALG I, ALG II, Sozialhilfe, Hartz IV und SGB II/III

@ erstellt von Christine Müller 25.04.2018

Nach diesem langen Vorlauf nun mal zu meiner Analyse von Hartz IV. Und das tue ich als 1) selbst Hartz IV oder auch ALG II-Empfängerin und 2) als Fallmanagerin und gerade erst zum Wiedereinstieg von Januar – Juni 2017 mit befristetem Vertrag im Jobcenter Marzahn-Hellersdorf beschäftigt.

Was versteht das Sozialgesetzbuch mit den „sozialen Sicherungsgrundlagen“ unter diesen wunderbaren Abkürzungen von denen die Mitarbeiter selbst im Amt sagen: „Es ist nicht einfach! Ich schlage manches auch noch nach!“ Trotz meiner Schulungen in Arbeitslosengeld I und II (ALG I, ALG II) und den Sozialgesetzbüchern (SGB II/III/XII) habe ich mir für die Begriffsklärung  bereits 2009 Unterstützung im Netz geholt.

Einschub: Armutsgrenze

Bevor ich jetzt zum Regelsatz von 416€ als „soziale Grundsicherung“ komme mal zur Info, wo aktuell rechnerisch und gesetzlich die Armutsgrenze für die Bezeichnung „arm“ in Deutschland liegt. Als Armut wird im Lexikon „eine mangelnde Befriedigung von Grundbedürfnissen bezeichnet. Dazu gehören Kleidung, Essen, Gesundheit und Wohnung. (Erinnert ihr meinen blogbeitrag Nachhaltig wohnen – Untervermietung? Hier habe ich das Modell der Gegenfinanzierung für den Mehrwert von Wohnen durch Teilen und Gemeinschaft geschrieben. Lest gerne nochmal rein.) Die jeweilige Definition ist von Land zu Land sehr unterschiedlich, basiert auf den jeweiligen, sehr subjektiven Wertvorstellungen vor Ort. In Deutschland gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittslohns zur Verfügung hat. 2013 waren das 892 Euro pro Monat für einen Singlehaushalt und 1873 Euro für eine Familie mit zwei Kindern.

Hartz IV -Wettbewerb: Spartante Christine „gegen“ Regelsatz

Ich stehe bei dieser Challange im direkten Wettbewerb mit der These von  Jens Spahn: “ Mit Hartz IV habe jedoch jeder das, was er zum Leben braucht (…) Die gesetzliche Grundsicherung werde mit großem Aufwand genau bemessen und regelmäßig angepasst. Hartz IV bedeute nicht Armut, sondern sei die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut.“ Auch wenn Spahn selbst später sagte: „Ich weiß, ein Leben mit Hartz IV ist nicht einfach. Ich habe Armut nicht relativiert, sondern lediglich die Rechtslage beschrieben.“

Jetzt mal ganz frech von mir, doch ich behaupte nach dem ersten Grobüberblick, ohne es 100% nachgerechnet zu haben, ich komme hin mit dem monatlichen Regelsatz von 416€ (zzgl. Wohngeld und ergänzenden Leistungen für z.B. etwaige Nachzahlungen bei Betriebs- und Heizkostenabrechnungen). Es ist zwar sportlich und auch finde ich 1,06 (2017: 1,55 €) als monatlicher Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bei Bildung schon echt … ich sage es mal diplomatisch grenzwertig. Doch auch dafür habe ich „mit k(l)einem Geldbeutel“ eine kreative Sparlösung gefunden.

Jetzt mal Hartz IV-Karten auf den Tisch

Ich unterziehe hier die Hartz IV Regelleistung meiner „selbst getestet“ Prüfung und möchte schauen, ob der Regelsatz für die Bedarfsdeckung in allen Lebensbereichen reicht und ob und wie ein Leben mit Lust damit möglich ist.

Ergebnis: Spartante Christine unterbietet Regelsatz!

Spartante Christine im Monat (Gesamt ohne Essen/Trinken ): 208,10€ (statt 268,96€)
Spartante Christine Regelsatz für alkoholfreie Getränke und Nahrung 207,90 € (statt 147,04€)
Für kleine Extras 60,68 € gespart für
lose Lebensmittel Rosinen, Nudeln, Nüsse und Cappuccini!

Ich freue mich sehr, dass ich mit diesem, meinem sehr klaren Outing und nachhaltig wirtschaften zeigen konnte

Ihr merkt bestimmt auch, Jens Spahn hat recht mit seiner anfangs zitierten Aussage „Ich weiß, ein Leben mit Hartz IV ist nicht einfach“. Denn, ich als Spartante Christine hätte die Challange nicht geschafft, ohne …

  • die freie Wohngemeinschaft (welcher Art auch immer, ohne Ehe und Familie!) durch Kostenteilung von Verbrauch und Mobiliar und Zubehör
  • den Secondhand-Markt für alle Sachwert (Möbel, Kleidung, Schuhe, Haushaltsgeräte, Haushaltszubehör wie Töpfe, Geschirr, etc.) und Zubehör (Bücher, Parfum, Elektronikgeräte wie Drucker, Mixer, Fön, etc. )
  • den Sozialausweis mit seinen vielen Vergünstigungen Nahverkehr, Kultur, Gesundheitsversorgung (Pille, Kondom), ärztliche Behandlungen, Medikamente, Zuzahlungsrabatt oder – befreiung.

Resümee

Harzt IV bietet zumindest für Alleinlebende (rechnerisch für Jobcenter &Co) ohne Bedarfsgemeinschaft wirklich bei nachhaltigem Wirtschaften und entsprechender Lebensführung ein gesundes Leben mit Lust für kleinen Geldbeutel. Und jetzt mal ehrlich frage ich provokant, ist nicht beim Erstellen eines Businessplans oder einem Bankgespräch genauso viel „Hose-runter – alles -auf- den- Tisch“ angesagt wie beim Ausfüllen von ALG  II/Hartz IV – Anträgen?

Du spürst, die Zusammenarbeit mit mir kann dir (vielleicht) helfen? Das klingt nach einem Weg für dich? Dann schreib mir für ein kostenfreies Erstgespräch von 30 Minuten eine Mail Ja, ich will neue un-normale Wege gehen!

Bitte bleib nachhaltig gesund und lebe mit Lust und kleinem Geldbeutel!
Ich freue mich dich! wie und auf welchen un-normalen Wegen auch immer
Deine Spartante Unterschrift Christine Müller

Please follow and like us:

2 thoughts on “NACHHALTIG WIRTSCHAFTEN – HARTZ IV”

  1. Samstag, 28.04.2018 Treffen mit Gesundheitsminister in Karlsruhe zum Kaffeetrinken
    Hartz-IV-Kritikerin übergibt Petition an Spahn

    Zitat Tagesspiel:
    „Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bleibt trotz massiver Kritik bei seiner Haltung, dass Hartz-IV-Empfänger das Nötigste zum Leben bekommen. Der Aufforderung von Aktivisten, einen Monat lang selbst von der sozialen Grundsicherung zu leben, verweigerte sich der Minister. Viele Bürger würden dies „eher als Farce“ empfinden, sagte Spahn am Samstag nach einem Treffen mit der Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog in Karlsruhe. (…)
    Die arbeitslose und alleinerziehende Schlensog hatte Spahn eine Online-Petition mit rund 210.000 Unterschriften überreicht, in der er aufgefordert wird, einen Monat lang von Hartz IV zu leben. Der Minister nannte es bemerkenswert, wie viele Unterschriften zusammengekommen sind. „Allerdings denke ich, dass es viele Bürger eher als Farce empfänden, wenn ich als Bundesminister versuchte, für einen Monat von Hartz IV zu leben. Denn zu offenkundig käme mein beruflicher Alltag auch dann der realen Lage eines Hartz-IV-Empfängers nicht nahe.“ – Mehr hier https://m.tagesspiegel.de/politik/treffen-mit-gesundheitsminister-hartz-iv-kritikerin-uebergibt-petition-an-spahn/21226070.html

  2. Mein Blog-Beitrag zum Mehrwert an Geld und gesunden Leben ist u.a. entstanden vor dem Hintergrund der aktuellen Petition von der Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog, gestartet vor 2 Monaten im März 2018 und erreichte bis zum ersten Treffen über 200.000 Unterschriften. Die Forderung: „Herr Spahn, leben Sie für einen Monat vom HartzIV-Grundregelsatz!“ – Mehr hier: https://www.change.org/p/lieber-jensspahn-leben-sie-f%C3%BCr-einen-monat-vom-hartziv-grundregelsatz-spahn-armut-hartziv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.