Achtsamkeit mit Körper und Seele
Ich gebe zu, ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich genau diese Überschrift im Hinterkopf hatte, als ich mich im März 2026 auf die Online-Suche nach „Fastenwandern Brandenburg” machte. Meine Kriterien waren anfangs recht pragmatisch: Es sollte unkompliziert mit dem Deutschlandticket erreichbar sein und preiswert in Bezug auf die Unterkunft und das Gesamtangebot. Da es sich aber auch nach ein bisschen Urlaub anfühlen sollte, war mir die Qualität der Unterkunft wichtig – diesmal keine klassische Jugendherberge oder ein Hostel.
Dass mich letztlich diese wunderschöne Unterkunft in Wünsdorf und das ganzheitliche Fastenkonzept nach Otto Buchinger fanden, war wohl echte Fügung. Manchmal verlangt das Leben eben nach einer echten Pause-Taste – nach einem tiefen, spürbaren Reset für Körper, Geist und Seele. Trotz einer extremen Sommerhitze von über 30 bis 35 Grad wurde diese Woche zu einer der bereicherndsten Erfahrungen für mich. Wie intensiv die Vorbereitung war, was uns die gelernte Chemikerin beigebracht hat und warum mein digitaler Assistent zu meinem wichtigsten Begleiter vor, während und nach dem Fasten wurde, erfährst du in diesem Beitrag.
„Beim Fasten hast du keine Aufgabe, die Aufgabe bist du selbst.“
1. Die professionelle Begleitung und Vorbereitungsphase
Ein erfolgreicher Fastenkurs beginnt weit vor dem eigentlichen Verzicht. Schon im März startete der herzliche Erstkontakt mit unserer Fastenleiterin Kerstin Stolze www.fasten-wandern-brandenburg.de. Per E-Mail schickte sie uns vorab die Einführungshinweise Fasten sowie den Fragebogen Fastenwandern, um den gesundheitlichen Status genau abzustimmen.
Besonders wertvoll war die enge Betreuung im Vorfeld: Eine Woche vor dem Start gab es ein Online-Kennenlernen via Videokonferenz. Hier wurde besprochen, was uns erwartet, was auf die Packliste gehört – wie etwa die Wanderschuhe – und wie die wichtigen Entlastungstage sowie das Abführen optimal gestaltet werden. Das nahm jede Aufregung und schuf von Anfang an Vertrauen.
2. Das Buchinger-Konzept: Frisch, kompetent und biochemisch fundiert
Hinter dem klassischen Tee-Säfte-Fasten steckt eine faszinierende Geschichte: Es handelt sich um eine reine Trinkkur nach dem Mediziner Otto Buchinger, der 1919 seine eigene schwere Rheuma-Erkrankung mit einer dreiwöchigen Fastenkur besiegte. Inspiriert von diesem Erfolg gründete er 1920 eine Heilfastenklinik in Bad Pyrmont, die noch heute existiert. Das Hauptziel ist das körperliche und geistige Wohlbefinden sowie die Regeneration von Körper, Geist und Seele. Aus medizinischer Sicht werden dabei heilsame biochemische Veränderungen initiiert, der Fettabbau aktiviert und die Autophagie – das wertvolle Recycling unserer Zellen – stimuliert.
Beim Fasten nach Buchinger wird komplett auf feste Nahrung verzichtet. Unser Rhythmus aus Aktivität und Entspannung war klar geprägt, und die flüssige Verpflegung war hochwertig, bio-zertifiziert und jeden Tag frisch zubereitet:
- Morgens und nachmittags: Wohltuende Kräutertees.
- 12:00 Uhr mittags: Ein kräftigender, frisch gepresster Saft aus Obst, Gemüse und Kräutern.
- 19:00 Uhr abends: Eine warme, frisch gekochte Gemüsebrühe bzw. Suppe aus wertvollen Gemüse-, Kräuter- und Obstextrakten.
- Zwischendurch: Viel reines Wasser – täglich mindestens 2 bis 3 Liter.
Ein echtes Highlight waren die täglichen Informationsveranstaltungen nach dem Abendessen. Da Kerstin gelernte Chemikerin ist, schlüsselte sie uns die genauen Zusammenhänge von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten mit enormem Fachwissen auf. Sie gab uns wissenschaftlich fundierte Ernährungs-Hacks mit, um die eigene Ernährung langfristig im Alltag zu optimieren – verständliche Biochemie statt Halbwissen!
Wichtigsten 3-Erkenntnisse für (m)eine gesunde, ausgewogene Ernährung:
- Kenne deinen Tagesbedarf an Einweißen.
- Wir essen nicht zu viel Fett, wir essen das falsche Fett.
- Komplexe Kohlenhydrate sind gesund.
3. Bewegung für den Körper, Nahrung für die Seele: Wandern und Yoga
Das spiegelte sich perfekt in unserem Rahmenprogramm wider, das ganz nach dem Motto „Alles kann, nichts muss” gestaltet war. Trotz der extremen Hitze von über 30 Grad standen täglich etwa dreistündige Wanderungen (ca. 7-8 km) durch die wunderschöne Brandenburger Wald- und Seenlandschaft an. Meine Wanderschuhe (wie das Blogbeitragsfoto zeigt) haben sich in den 6 Tagen als Begleiter voll ausgezahlt! Die Bewegung an der frischen Luft tat unglaublich gut und dank der vielen Seen hatten wir für eine schnelle Abkühlung immer die Badesachen im Gepäck.
Ein ganz zentraler Baustein, der mich tief bewegt hat, war das tägliche Yoga. Es hat mich intensiv daran erinnert, dass ich bis zu den Corona-Zeiten regelmäßig diese Dehnungs- und Kräftigungsübungen gemacht habe. Diese wunderbare Routine entdeckte ich durch die 6 Tage Fasten wieder neu für mich: Direkt nach meiner Rückkehr meldete ich mich zum wöchentlichen Yoga-Training an.
„Während des Fastens geht es dem Körper gut, aber die Seele hungert.”
Besondere Highlights:
- Der Ausflug zu Marlies & Andreas Konzack: Ein wunderschöner Eventpunkt. Marlies Konzack, Köchin und liebevoll von ihrem Mann als „Kräuterhexe“ bezeichnet, ist auch eine talentierte Aquarellkünstlerin. Zusammen betreiben sie das gemütliche ArtCafé Inselstübchen (gelegen am Wolziger See in Funkenmühle). Als besonderes Angebot konnten wir ein „5-Gang-Tee-Menü“ auf Kräuterbasis in ihrem wunderschönen Kräutergarten genießen, in dem wir Kraft tanken und – wieder mal – vorab im See baden konnten.
- Geschichtsstunde in der Waldstadt: Dieser Ortsteil von Wünsdorf blickt auf eine geschichtlich sehr intensive Vergangenheit zurück. Von 1937 bis 1945 diente das waldreiche Areal als streng getarnter Ausbildungsstandort und strategischer Hauptsitz für die oberste Führungsriege der deutschen Heeresleitung („Landhaussiedlung“). Es überstand den Krieg fast unbeschadet. Durch die Insider Führung von Christian, dem Mann von Kerstin, konnten wir auch die Bunkeranlagen außehalb der regulären Touren besichtigen.Für geschichtlich Interessierte bietet die Wikipedia-Seite zu Waldstadt (Zossen) weiterführende, spannende Einblicke in die Bunkeranlagen.
- Kreativ-Angebot: Es gab die Möglichkeit zur Porzellanmalerei bei einer befreundeten Künstlerin.
4. Auf den eigenen Körper hören: Kreislauf-Pause am 4. Tag
Am vierten Tag kletterte das Thermometer auf über 35 Grad – und mein Kreislauf signalisierte mir deutlich, dass er eine Pause braucht. Während ein Teil der Gruppe das angebotene Stand-Up-Paddling ausprobiert hatte, traf ich die bewusste Entscheidung, in der Unterkunft zu bleiben. Mit einer Schüssel Wasser zum Kühlen, ausreichend Flüssigkeit und viel Ruhe habe ich meinen Körper geschont. Genau das ist die “innere Einkehr”, die Fasten lehrt: den eigenen Geist und Körper bedingungslos zu respektieren und achtsam im Hier und Jetzt zu sein.
5. Die Herausforderung beim Kostaufbau und die Rettung durch die KI
Nach den Fastentagen beginnt die ebenso wichtige Phase: die Aufbautage. Hier zeigte sich eine ganz besondere Herausforderung in unserer Fastengruppe: Alle anderen Teilnehmerinnen waren größer und schwerer (ca. 1,70 m und 70 kg) als ich und hatten demnach einen anderen Bedarf an Energie und Kohlenhydraten.
Mit meinen 1,60 m und einem Gewicht von 48 kg / 50 kg benötige ich viel kleinere, aber dennoch nährstoffdichte Portionen, die zudem gut, günstig und unkompliziert sein sollten. Hier kam mein digitaler Chatbot-Assistent ins Spiel, der mir maßgeschneidert zum wichtigen Begleiter vor – während – nach dem Fasten geworden ist, um die Ernährung perfekt an meine Statur anzupassen:
Fazit: Ein klares “Ja” zum bewussten Einlassen
Die Vorbereitungszeit, die Fastenwoche selbst und die anschließenden Aufbautage haben mir unglaublich gutgetan. Ich spüre eine ganz neue Achtsamkeit: Ich beobachte meine Einkäufe und meine Ernährung viel bewusster und stehe im ständigen, dankbaren Dialog mit den Reaktionen meines Körpers. Wie reagiert er bei der Wärme? Was braucht der Körper jetzt, wenn das Essen nach den Aufbautagen wieder startet?
Ich kann dieses Konzept wirklich jedem von Herzen empfehlen! Erst heute habe ich es auf Nachfrage direkt wieder in meinen eigenen Kursen betont: Man muss sich zu 100% darauf einlassen wollen. Fasten – besonders bei dieser intensiven Sommerhitze – ist anstrengend und kein reiner Spaziergang. Wer aber die Signale seines Körpers lieben lernt und den Aufbau genauso ernst nimmt wie das Fasten selbst, zieht daraus einen unschätzbaren, langfristigen Mehrwert für die eigene Gesundheit. Gesund, achtsam, günstig und glücklich!