Beispiel: Workshop zur Rolle der Bibliotheken
Aufgaben eines Moderators lassen sich am Besten an einem Beispiel zeigen. Als erfahrene Moderatorin und Kursleiterin habe ich mich entschieden, dafür einen konkreten, aber anonymisierten Auftrag zu wählen.
Ich bin als Moderatorin für die Hauptmoderation eines Workshops für ein Berliner Bezirksamt* angefragt worden. Das Schwerpunktthema des Workshops sollte ein bisher noch nicht einzeln bearbeitetes Handlungsfeld sein: die Rolle der Kulturverwaltung und da ganz spezifisch die zukünftige Rolle der Bibliotheken. Als optimaler Zeitpunkt bot sich dafür die Schließwoche der VÖBB-Akademie (Verbund der öffentlichen Bibliotheken Berlins) an. So konnten alle Mitarbeiter innerhalb der Arbeitszeit die Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag als Beiträge für die Praxis als Richtungsimpuls mit einbringen.
Moderationsformat für den Workshop: Worldcafe
Als Moderationsformat wurde seitens der Veranstalter das Worldcafe gewählt, da es ein lockeres und offenes Format ist. Ohne das Format hier zu sehr in den Fokus zu stellen, sagt der opensource-Leitfaden Germancafetogo: „Café Gespräche sind eine einfache Methode, um ein lebendiges Netzwerk kooperativen Dialogs zu kreieren, im Dienste der realen Arbeit.“
Illustrieren möchte ich das Format an diesem kurzen youtube-Video von 1.57 Minuten Worldcafe – Was ist das? Auch wenn bewusst eine lockere Atmosphäre gewählt wurde, ging es um Arbeitsthemen. Das zeigen auch die Themen, die es an den sechs Thementischen zu besprechen galt:
1: Mehrfachnutzung in Bibliotheken 2: Vielfalt 3: Netzwerke 4: Bibliothek als dritter Ort
5: Bibliotheksnutzende als Mitgestalter*innen 6: Kommunikation und Wirkung
Von der Anfrage bis zur Moderatorin des Workshops
Um nochmal die Anfrage vom 10. Oktober 2019 des Pressesprechers des Bezirksamtes aufzugreifen, war meine gewünschte Aufgabe (Zitat):
„Es würde uns sehr freuen, wenn wir Sie für die Moderation des Workshops gewinnen könnten. Es bedarf dabei keiner größeren inhaltlichen Vorbereitung, vielmehr geht es darum, dem Workshop eine Struktur zu geben und dafür zu sorgen, dass die Diskussion in Gang kommt.“
Dies war spannend für mich als Moderatorin, doch vor allem auch als Kursleiterin der vhs Lichtenberg und darüber hinaus als Bibliotheksnutzerin schon seit Grundschulzeiten. Beim ersten Vorbesprechungs- und Kennenlerntreffen gab es schon ein Rohkonzept für den Ablauf. Passend zum Termin dann konkrete Fragen und Wünsche an mich als „Moderationsexpertin“:
Passt unsere zeitliche Planung? Und können Sie sie einhalten?
Haben Sie einen „Unterbrecher“ zur Auflockerung des Workshops, der auch für die geplanten fast 60 Mitarbeiter passt?
Wie gestalten Sie Ihren Part der Hauptmoderation, da ja bereits Mitarbeitende der Bibliothek die Tischmoderation der sechs Thementische übernommen haben?
Rückblick auf meine Aufgabe eines Moderators oder: was lief gut und was habe ich gelernt?
Kurz vor dem Termin bekam ich das wie abgesprochen überarbeitete und vor allem stärker fokussierte Tagesprogramm. Ich lobte gleich beim Eintreffen die aus meiner Sicht gute Reduktion auf eine Frage pro Thementisch, um die „Gäste“ zu leiten und nicht zu verwirren.
Die Veranstaltung begann mit der Begrüßung durch die Amtsleitung, gefolgt von meiner Anmoderation des Workshop-Tages mit der 3-Akt-Technik und Verweis auf die Workshop-Ziele. Im Anschluss daran leitete ich auf den zentralen Vortrag der Amtsleiterin über. Vor dem Hauptteil lockerte ich als Moderatorin mit meinem kleiner 5-Minuten-Unterbrecher die Teilnehmer:innen etwas auf.
Der Hauptteil, mit den sechs „Cafe Gesprächen“ an den Thementischen im World Cafe der Bibliothek, schloss sich wie geplant direkt an.
Zusammenfassend war das aus Moderatorinnensicht die Veranstaltung:
Die Erfolge | Die Lerneffekte |
Der Unterbrecher Regensturm im Kanon – alle konnten lachen und hatten gleichzeitig bei der Körperarbeit auch den Ort gewechselt. Statt zu sitzen und zu denken und zuzuhören waren sie gemeinsam im Stehen aktiv. | Um eine bessere Durchmischung der Teilnehmer an den Thementischen zu erreichen, würde ich das nächste Mal anmoderieren, dass alle ihren Sitzplatz in der ersten Runde frei wählen können. Doch in der zweiten Runde gehen bitte alle an ihren Tisch entsprechend des Abzählens von 1 bis 6. |
Die dauerhafte Sicherstellung des Zeitplans als ein Hauptwunsch der Veranstalter. | Auf gleichmäßige Verteilung des Arbeitsmaterials achten und je nach Bedarf Nachschub an die Tische bringen. |
Die gute Stimmung der Teilnehmer. Bis zum Schluss herrschten gute Stimmung und gleichzeitig engagierte Gespräche. | Beim nächsten Mal werde ich selbst eine Uhr dabeihaben, um den Zeitplan noch selbstständiger nachvollziehen zu können. |
Ausblick – Bewertung durch die Gruppen
Die Workshop-Teilnehmer haben sich entweder offen für alle in der „Blitzlichtrunde“ oder in Einzelgesprächen in der Mittagspause einen Handlungsplan gewünscht. Es wird nach den Workshops seit Beginn des Prozesses in 2017 ein Handlungsplan zur Umsetzung gewünscht. Da der von mir moderierte Workshop am 18.11.2019 jedoch „nur“ der erste Tag der kleinen Workshop-Reihe bis Freitag war, ist zu vermuten, dass bereits am Freitag ein erster Rohplan entstehen kann. Die Teilnehmer wünschen sich das und wollen auch aktiv mitarbeiten. Und auch die Amtsleitung hält fest am Ziel, richtungsweisende Akzente in Berlin mit den Ergebnissen in der Kulturlandschaft setzen zu können.
* Datenschutzrechtlicher Hinweis und Haftung für den Inhalt
Aus datenschutzrechtlichen Gründen und Bitte des Auftraggebers sind alle personenbezogenen Daten anoymisiert. Ebenfalls ist, auch um inhaltliche Fehler zu vermeiden, auf die Darstellung des inhaltlichen Hintergrunds des Workshops weitestgehend verzichten worden. Besonders weil die inhaltliche Gestaltung konkret nicht Teil meines Auftrages gewesen ist. Selten ist die inhaltliche Gestaltung einer Veranstaltung Teil der Aufgaben eines Moderators.